, Stefan Wyss und Nik Dömer, AZ

Mit Rückenwind ins Derby: Das sind die Erkenntnisse bei Aarau und Baden nach dem Rückrundenstart

Vor dem Derby scheint im Aargau die (Fussball-)Sonne. Nach Aaraus 1:0-Sieg gegen Vaduz und Badens 1:1 auswärts gegen Neuchâtel Xamax gehen die beiden Rivalen mit Rückenwind und breiter Brust ins Kantonsduell. Wir sagen, was optimistisch stimmt. Und was in Aarau und Baden noch Sorgen macht.

Damit konnte vor dem Derby vom Dienstag nicht gerechnet werden. Fast drei Monate war es schliesslich her, dass in der gleichen Runde kein Aargauer Verein verlor. Doch nach einer schwierigen Schlussphase der Vorrunde und wenig ermutigenden Resultaten in den Testspielen gelang Aarau und Baden der Start in die Rückrunde vorzüglich. Das Positive überwog, doch es gab auch Negatives. Im Detail sieht das so aus:

Beim FC Aarau darf man sich freuen über...

Matchwinner Valon Fazliu

Start, Sieg und Fazliu. Wie im Sommer startet Aarau mit einem 1:0-Sieg. Und wie im Sommer (gegen Baden) schiesst Valon Fazliu das entscheidende Tor. Viele gute Szenen neben dem Treffer in der 53. Minute hat der 27-Jährige gegen Vaduz zwar nicht. Aber es kann für den FC Aarau nur von Vorteil sein, wenn sein erfolgreichster Skorer der letzten anderthalb Jahre dank dieses Tores wieder Selbstvertrauen aufbaut. Im Raum hinter einem Zweimannsturm, da liegt sein Revier, da ist Fazliu im Element. Ob Frei mit dem 4-3-1-2 explizit ein «System Fazliu» implementiert hat? Wahrscheinlich. Und fürs Erste mit Erfolg.

Das wiedergefundene Wettkampfglück

Mehr als eine Halbzeit lang ist es am Freitag ein typisches 0:0-Spiel. Viel Kampf, noch mehr Krampf. Wenig Torszenen. Doch das Spiel kippt auf die Seite der Aarauer. Weil dem gegnerischen Torhüter ein haarsträubender Fehler unterläuft. Und weil der Ball bei der einzigen gefährlichen Aktion der Vaduzer an die Latte fliegt. Das Wettkampfglück ist zurück. Man erinnert sich, wie anders das doch im letzten Heimspiel war. Als dem FC Aarau am 10. Dezember gegen Wil vom Schiedsrichtergespann ein Tor geklaut wurde und der Gegner in der Nachspielzeit aus dem Nichts zum Ausgleich kam.

Das Comeback von Yannick Touré

Etwas überraschend kommt der 23-jährige Stürmer nach seiner monatelangen Muskelverletzung schon im ersten Spiel der Rückrunde zum Einsatz. Viel bleibt von Yannick Tourés 14-minütigem Teileinsatz zwar nicht hängen, doch dass Trainer Alex Frei ihn nach nur einem richtigen Testspieleinsatz bereits als Joker bringt, zeigt, wie viel er von ihm hält. Mit Touré vergrössert sich das offensive Spektrum. Kein anderer Stürmer im Kader hat die Dynamik, den Drang zum Tor und die Wasserverdrängung von Touré.

Beim FC Aarau gefiel nicht...

Die fehlende Effizienz

Die Leistung der Aarauer war nicht gut genug für einen hohen Sieg. Und doch wäre ein zweites oder sogar drittes Tor möglich gewesen. Bei Demhasajs Chance vor der Pause, bei Nikola Gjorgjevs Lattenschuss unmittelbar nach dem Führungstor und dann vor allem bei zwei Kontern durch Gjorgjev in der Nachspielzeit liess der Angriff die Effizienz vermissen. Das rächt sich spätestens dann, wenn ein Gegner in der Offensive mehr zu bieten hat als die seit zwölf Spielen sieglosen, harmlosen Vaduzer.

Der geringe Einfluss des Mittelfelds

Sie wollen es nicht mehr nur spielerisch lösen, sagten die Aarauer vor der Rückrunde. Mehr mit weiten Bällen operieren. Das mag gelungen sein, aber zum Preis, dass das Spiel nach vorne irgendwie ohne den Einfluss von Olivier Jäckle, Isaac Pappoe und Milot Avdyli auskommen musste. Die Beweise? Der erste Aufreger ist eine Direktabnahme von Bastien Conus nach einem Corner. Das Tor fällt nach einem Fehler beim Gegner. Ebenso die Entstehung der Chance, die zum Lattenschuss führt. Und die gefährlichen Konter in der Nachspielzeit gibt es, weil Vaduz die Abwehr da nahezu aufgelöst hat.

 

Beim FC Baden darf man sich freuen über...

Die taktische Variabilität

Der FC Baden hat gegen Neuchâtel Xamax taktisch umgestellt und das funktionierte wunderbar. Im Vergleich zu den meisten Partien der Hinrunde lief er den Gegner vermehrt in dessen Zone an und provozierte damit frühe Ballverluste. Natürlich muss das nicht bedeuten, dass die Badener nun im Derby gegen den individuell besser besetzten FC Aarau ein Angriffspressing installieren werden, aber es zeigt, dass die Mannschaft von Michael Winsauer taktisch variabler geworden ist. In Anbetracht der Leistung in Neuenburg wäre es gar etwas verwunderlich, wenn sich die Badener am Dienstag in der eigenen Hälfte verkriechen und nur auf Konter lauern werden.

Hungrige Youngsters

Arnel Kujovic (21), Fabian Gloor (21), Mats Hanke (20) und Joel Brack (20) zeigten gegen Xamax, dass ihr Hunger gross ist. Sie alle hatten vor der Winterpause zu beissen, teilweise auch verletzungsbedingt. Brack konnte seit anfangs Oktober lediglich sechs Einsatzminuten verbuchen. In Neuenburg waren sie allesamt eine grosse Bereicherung fürs Spiel. Kujovic fungierte als unermüdlicher Dreh- und Angelpunkt, Gloor gewann auf der rechten Seite gefühlt jedes Laufduell, Hanke kam rein, eroberte viele Bälle und beflügelte das Offensivspiel und Brack sicherte mit einem Traumtor aus 20 Metern den Punktgewinn. Beim Torschützen muss aber leider betont werden, dass er fürs Derby ausfallen wird. Er hat sich kurz vor Schluss am Knie verletzt und fällt vier bis sechs Wochen aus.

Spannende Neuzugänge

Es war zwar noch nicht das grosse Spiel von Lavdim Zumberi, doch immerhin stand der Neo-Badener bereits in der Startelf und zeigte während 60 Minuten eine engagierte Leistung. Und er deutete bei den Standards an, dass er sein Team künftig bei stehenden Bällen gefährlicher machen kann. Neu ist ebenfalls Tobias Pachonik. Er reiste mit der Mannschaft nach Neuenburg mit, war jedoch noch nicht spielberechtigt. Einen Tag später verkündete der FC Baden dann offiziell seine Verpflichtung bis Ende Saison. Der deutsche Verteidiger bringt viel Erfahrung mit, spielte einst für den FC Nürnberg in der Bundesliga und war zuletzt in Italien, Holland und Norwegen aktiv. Der 29-Jährige ist knapp 1,90 m gross und kann für Wasserverdrängung sorgen. Ein wichtige Eigenschaft, die der Badener Abwehr guttun wird.

Beim FC Baden gefiel nicht...

Zu wenig Torgefahr

Der FC Baden war gegen Xamax zwar die aktivere Mannschaft, hatte mehr Ballbesitz und die bessere Passquote, doch wenn es darum ging, Gefahr vor dem Neuenburger Tor aufkommen zu lassen, fehlte Durchschlagskraft und Kreativität. So brauchte es am Ende ein Sonntagsschuss aus der Distanz, um zum Torerfolg zu kommen. Nur drei Schüsse aufs gegnerische Gehäuse und ein Expected-Goals-Wert (erwartete Tore) von 0,6, damit können die Badener nicht zufrieden sein.

Defensive Unkonzentriertheiten

Wie bereits zuletzt gegen den FC Schaffhausen oder den FC Thun hatte der FC Baden seinen Gegner in der Maladière lange im Griff, kassierte dann jedoch ein Gegentor aus dem Nichts, weil er für einen kurzen Moment in der Defensive zu schläfrig war. Es reichte ein hoher und langer Ball, um am Rande des Strafraums eine Badener Fehlerkette auszulösen, die anschliessend zu einem Strafstoss und damit dem 0:1-Gegentor führte. Hierbei soll zwar auch noch erwähnt sein, dass das geahndete Foul von Kujovic schlichtweg nicht penaltywürdig war, doch dieser Fakt ändert nichts daran, dass ähnliche unkonzentrierte Abwehrverhalten in dieser Saison schon zu oft Punkte gekostet haben. Und scheinbar stellen sie immer noch ein Problem beim FC Baden dar.