, Michael Wehrle, AZ

Abstiegskampf am letzten Spieltag: FC Baden hat gute Karten, doch es könnte auch ein Drama geben

Der FC Baden hat sich vor dem letzten Spiel gegen Bulle eine gute Ausgangslage geschaffen und sein Schicksal selbst in der Hand.

Sein Job ist es, den Gegner am Toreschiessen zu hindern. In erster Linie. Doch natürlich darf auch ein Abwehrspieler wie Sven Kunz sich mal auf der anderen Seite bewähren. Beide Varianten erfüllte der Verteidiger des FC Baden im Spiel in Vevey mit Bravour.

Seine Defensivaufgaben löste er ohne Fehl und Tadel. Dabei bewies er auch taktisches Gespür, als er kurz vor der Pause einen gefährlichen Konter der Gegner mit einem Foul stoppte und Gelb sah. «Wir dachten, dass er nun gesperrt ist, doch es war seine siebte nicht die achte Karte», sagt Trainer Genesio Colatrella und ist froh, dass er auf den 21-Jährigen im letzten Saisonspiel zählen kann. In Vevey bescherte Kunz mit seinem Tor kurz vor Schluss dem FC Baden eine gute Ausgangslage im Kampf um den Klassenerhalt in der Promotion League.

Selbst 39 Punkte können nicht reichen

Dank des ersten Saisontores von Kunz haben er und seine Kollegen es nun selbst in den Füssen, müssen gar nicht schauen, was die Gegner auf den anderen Plätzen abliefern. Die Lage in dieser Liga ist verrückt. Selbst mit 39 Punkten können zwei Mannschaften noch absteigen.

Ernsthaft in Gefahr sind fünf Teams: Brühl St. Gallen mit 39 Zählern, Baden mit 38 und mit jeweils 36 Punkten Lugano U21, Delémont und FC Zürich U21. Aus dem Schneider dürfte Luzern U21 mit 39 Punkten sein, die Zentralschweizer haben die mit Abstand beste Tordifferenz.

Für den FC Baden ist klar: Schlägt er den FC Bulle, dann spielt er auch nächste Saison in der Promotion League. Spielt er Unentschieden, beginnt das Zittern. Weil Brühl auf Delémont trifft, überholt er sicher eines dieser beiden Teams und muss dann hoffen, dass entweder Lugano oder der FCZ nicht siegt. Verliert Baden, dann darf nur einer aus dem Trio Lugano, Delémont und FCZ gewinnen, sonst steigen die Aargauer ab.

«Wir wollen unsere Hausaufgaben machen und gar nicht auf irgendetwas spekulieren», sagt Colatrella. Auf der Bank werde deshalb auch niemand die Ergebnisse auf den anderen Plätzen verfolgen. Neben Brühl – Delémont treffen gleich vier U21-Teams aufeinander: FC Zürich – FC Basel und Lugano – Young Boys. «Mit dem letzten Schnauf können wir unser Ziel erreichen», betont Colatrella. Dafür sass das Team diese Woche nach dem Training noch einmal bei einem Essen zusammen. Und natürlich hofft der Trainer auf Hilfe von aussen: «Alle, denen der FC Baden am Herzen liegt, sollen am Samstag um 16 Uhr im Stadion Esp die Mannschaft vor Ort unterstützen.»

Dass Baden es draufhat, zeigt die Bilanz der vergangenen sieben Spiele. Im Schnitt schafften die Aargauer zwei Punkte pro Partie, genauso viele wie Spitzenreiter Rapperswil-Jona, die St. Galler allerdings konstant über die ganze Saison. Und dass kein Gegner ausser Reichweite liegt, zeigten die Badener auch gegen die Topteams: Egal, wer Meister wird und aufsteigt: Rapperswil und Kriens haben gegen Baden je einmal unentschieden gespielt.

Weiter ohne Captain Giampà

Weiter verzichten muss der Trainer auf seinen Captain. Davide Giampà hat sich einen Muskelfaserriss zugezogen und kann seine Kollegen nur mental unterstützen. Immerhin ist mit Nenad Zivkovic ein weiterer Stürmer nach seiner Sperre wieder dabei. Denn bekannterweise ist der FC Baden mit Torjägern nicht gerade gesegnet.

«Wir brauchen jetzt alle», appelliert Präsident Hermi Löhrli. Mehr als 1000 Zuschauerinnen und Zuschauer seien das Ziel. Er sei zuversichtlich, dass die Mannschaft es schaffe. Sie habe zuletzt bewiesen, dass sie unter Druck funktioniere. Für Löhrli wäre der Klassenerhalt der versöhnliche Schlusspunkt unter seine aufreibende erste Saison als Präsident. «Ich habe sicher mehr graue Haare als auch schon», sagt er lachend. Und hofft, dass es nicht noch mehr werden.