Ein Lebenszeichen im Abstiegskampf: Dezimierte Badener ringen den FC Grand-Saconnex mit 2:1 nieder
Vieles hat vor dem Anpfiff in der Genfer Gemeinde Grand-Saconnex nicht für einen Badener Erfolg gesprochen. Da wäre zum einen die haarsträubende Auswärtsbilanz: Nur vier Punkte hatte der FC Baden in dieser Saison auf fremdem Terrain geholt. Dann die Formkrise: Der Auftritt am letzten Samstag gegen die U21 des FC Luzern (1:5) hinterliess viele Fragezeichen, und die Mannschaft rutschte sogar ans Tabellenende ab. Und dann auch noch die bitteren Absenzen: Davide Giampà, Patrick Muff (beide verletzt) und der gesperrte Joel Brack.
Will heissen: Der FC Baden stand auswärts am Mittwochabend gegen den Tabellensiebten FC Grand-Saconnex gehörig unter Druck. Und eigentlich hätten sie auch noch auf die Unterstützung der Fanszene verzichten müssen, da die Hausherren bei der Liga ein Geisterspiel beantragt hatten, angeblich aufgrund der nicht tragbaren Sicherheitskosten. Weder gab es zwischen den Vereinen eine Vorgeschichte, noch hat Saconnex eine aktive Fanszene. Null Brisanz – es bleibt das Geheimnis der Liga, warum sie das bewilligte.
Item, die Badener Fans waren dennoch vor Ort, hielten sich jedoch ausserhalb des Klubgeländes auf und unterstützten lautstark ihre Mannschaft. Und die spielte in Genf so, wie man als abstiegsgefährdetes Team nun mal spielen muss: Keine Kunststücke, sondern knallharte Zweikämpfe, mit Fokus auf die eigene Defensive. Erstmals spielten Thoma Monney, Elis Isufi und Elmedin Fazlic gemeinsam in der Viererkette. Und die drei Innenverteidiger bildeten zusammen mit Sven Kunz das Fundament des Badener Bollwerks.
Wer tief verteidigt, muss über das Konterspiel den Erfolg suchen. Dies gelang dem FC Baden eher mässig. Aber immerhin schlugen sie einmal in der 34. Minute per Standard eiskalt zu. Eine Ecke von Daniele Romano wurde von Monney per Kopf verwertet. Wirklich gefährlich wurde es vor dem Saconnex-Tor in der ersten Halbzeit sonst nicht mehr.
Saconnex hingegen war die produktivere Mannschaft. Mit viel Tempo versuchten sie, hinter die Badener Verteidigungskette zu kommen, fanden jedoch keine Lösungen. Nur einmal, in der 40. Minute, erhielten die Hausherren am Strafraumrand zu viel Platz, und Sinclair Baddy Dega erwischte den Badener Goalie Mirco Mazzeo mit einem präzisen Schuss in die rechte Ecke.
Ohne Drama geht es beim FC Baden in dieser Saison jedoch nicht. Kurz nach der Pause ging Kunz ungeschickt in den Zweikampf, rutschte auf dem Kunstrasen aus und säbelte seinen Gegenspieler um. Die Folge: Gelb-Rot, Platzverweis! 40 Minuten in Unterzahl. Man kennt es: Wer im Abstiegssumpf steckt, dem klebt das Pech am Fuss. Doch was dann passierte, war vielleicht ein bisschen Schicksal oder ein kleiner Eingriff des Fussballgottes. Ein Badener Eckball führte zu einem Handspiel im Strafraum, und der Schiedsrichter gab folgerichtig den Penalty. Mathis Holcbecher nahm Anlauf, scheiterte zuerst an Goalie André Pinheiro, verwandelte jedoch den Abpraller zum 2:1.
In der Folge liess sich das Team von Genesio Colatrella die Butter nicht mehr vom Brot nehmen. Beachtlich, wie die Mannschaft trotz maximalem Druck um jeden Meter auf dem Platz kämpfte und dabei ein komplett anderes Gesicht zeigte als zuletzt am Samstag. Dank einem riesigen Kämpferherz und auch etwas Genfer Unvermögen im Abschluss brachten die Ostaargauer die knappe Führung über die Zeit.
Was bleibt nun? Dank des Sieges gibt der FC Baden die Rote Laterne ab, bleibt jedoch auf einem Abstiegsplatz (17). Doch immerhin hat die Mannschaft nun bewiesen, dass sie unter grossem Druck funktionsfähig ist. Das sieht auch Trainer Genesio Colatrella so: «Nach der Niederlage gegen Luzern ist ein Ruck durch die Mannschaft gegangen. Die Spieler haben mit Wut im Bauch alles auf dem Platz gelassen und sich mit einer solidarischen Leistung diesen Sieg verdient.»
Aber wie erklärt sich der Trainer die zwei Gesichter, die seine Mannschaft innerhalb weniger Tage gezeigt hat? «Wir haben gegen Grand-Saconnex einen defensiveren Ansatz gewählt und den Fokus auf das Konterspiel gelegt. Das hat uns auch zu mehr Kompaktheit und weniger Eigenfehlern verholfen. Genau so müssen wir spielen, wenn wir in unserer Situation punkten wollen.»