FC Baden der Bestechung bezichtigt

Der in der Saison 2001/2002 aus der Nationalliga B abgestiegene FC Locarno hat bei der Disziplinarkommission der Nationalliga in Bern einen Rekurs gegen den FC Baden eingereicht. Anschuldigung: Positive Bestechung.

Der FC Baden sicherte sich am 5. Mai 2002 dank des 2:1 Heimsieg gegen Yverdon und dank des 2:2 Unentschieden von Locarno in Vaduz den Ligaerhalt in der Nationalliga B. Locarno steigt ab. Beide Mannschaften haben 29 Punkte, Locarno hat sogar das bessere Torverhältnis, Baden hat aber einen Sieg mehr, welcher zum Ligaerhalt reicht. 

 Die Tessiner wollen den Abstieg aber nicht einfach so hinnehmen. Präsident Stefano Gilardi wirft dem FC Baden vor, die Vaduzer bestochen zu haben: „Mindestens zwei Spieler äusserten sich nach der Partie, dass jedem ihrer Spieler für den Fall eines Punktgewinnes gegen Locarno eine Prämie von 2000 Franken ausbezahlt würde“. Die Zeugen für Badens Versprechen sind die Vaduzer Spieler Vaidotas Slekys und Daniele Polverino.
In der Tessiner Zeitung La Regione» wird Polverino gar zitiert: «Das Honorar von Baden kam mir gelegen.» 

„Ja, woher sollten wir das Geld nehmen“, belächelt der damalige Baden Präsident den Vorwurf aus dem Tessin. „Das Ganze lässt mich kalt. Ich hatte im Vorfeld der entscheidenden Partie keine Verbindung zu Vaduz“, beschwört Rolf Ernst.

Im Rekurs, den der FC Locarno bei der Disziplinarkommission der Nationalliga deponiert hat, beruft sich Locarnos Präsident Gilardi auf einen Artikel des Spielreglements, wonach selbst ein Schenkungsversprechen sportrechtlich relevant sei. „ Auf einen derartigen Rekurs müssen wir selbstverständlich eintreten“, sagt Libero Bazzotti Mitglied der Disziplinarkommission. Es sei gar denkbar, dass im Sinne Locarnos geurteilt werden könne. Eine Bestechung sei eine Bestechung, auch wenn sie – für Vaduz und Baden jedenfalls – positiv sei.

Stefano Gilardi drängte auf einen Präzedenzfall. Die Aussischten auf Erfolg dürften bescheiden sein, denn Positivbestechung, wie Gilardi nennt, war und ist im Fussball nicht unüblich. Auf der FC Aarau hat 1992 dem FC Basel und 1999 Etoile Carouge – unter dem Deckmantel der Verschiegenheit – eine Prämie für den eigenen Nicht-Abstieg versprochen. In Spaniens Primera Division hatte Barcelona einst im Kampf um den Meistertitel gar einen Bonus in Millionenhöhe an Real Madrids Gegner per Inserat in der Zeitung öffentlich gemacht.

Schlussendlich wurde der FC Baden freigesprochen und Locarno musste in die 1.Liga absteigen.